Jungfrauenküsse

Die Sonne meint es gut mit uns – ja – wir haben blauen Himmel,  augustige Temperaturen und anständigen Wind – mit Ciboney wird der Traum vom Segeln für uns Wirklichkeit. OK – wir sind in Segelklamotten eingepackt wenn wir unterwegs sind, denn bei Kurs Süd und Wind von Süden ist es halt frisch.  Die Schweden, die nach Norden segeln, sind dafür nackig, möglicherweise sogar verschwitzt.  Ein paar Seehunde sind trotzdem auf Herkules und uns neugierig – tauchen im Kielwasser auf und schauen uns spitzbübisch hinterher – WoW – auch wir sind begeistert und froh, heute nicht die Angelköder im Schlepp zu haben.

Sind am Nachmittag in das niedliche Kraskär eingelaufen, ein Winzhafen auf  der Insel Krakön. Irgendjemand hat den Anleger gemixt, dann Inseltorkeln für alle.  Torsten und ich haben natürlich sofort die Kirche angesteuert. Hier macht Religion noch Sinn: Die Kirchtür ist zwar verschlossen (wohl um heidnischen Trollen und wilden Tieren den Zugang zu verwehren),  an einem Riesennagel aber hängt ein Riesenschlüssel.  Drinnen verzaubern uns die vielen Schiffsmodelle,  alle aus Holz – wie die gesamte Kirche (1736 gebaut!).  Kirstin und JJ (Jule und Jens) haben derweil eine Bastu entdeckt, uns für einen Saunagang angemeldet, Holz gesammelt und gehackt.  Zum Barbecue treffen wir uns am Panoramastrand wieder: Es gibt Skinkrolle und gegrillte Spaghetti – weil wir ja ohne Gas unterwegs sind und nicht an Bord kochen können, müssen wir jede einzelne Nudel aufs Rost legen, zügig wenden und futtern: Mindestens ein halbes Kilo wandert in unsere hungrigen Mägen – ihr könnt ja mal schätzen, wieviel einzelne Spaghetti das sind.

Und dann machen wir es auf Finnisch – wir haben bei Ciboney gelernt: Mit Bier in die Sauna, ohne Bier wieder raus und hinein in die Badebucht.

Na klar sind wir nach solchen abendlichen Kuren morgens topfit und frühstücken schon kurz nach Sonnenaufgang – ein Rhythmus, der Zuhause undenkbar wäre.  Aber schließlich warten haufenweise Jungfrauen auf uns (Mädels, nicht sauer sein – ist politisch völlig korrekt!): Die ganze Küste ist voll damit – Jungfrukusten heisst die Gegend hier. Ganz nett, aber die Seehunde mögen das nur bedingt: Die extra für Robben reservierten Bänke sind robbenlos – nur ein paar Möwen hängen da ab.

Für uns fünf wird es wieder ein Traumsegeltag. Sind zum Proviantieren nun in Sandarne. Von See kommend schreckt die Leuna-Silhouette etwas ab – der Sandarne Batklubben aber liegt ganz süß – hochgewachsene Kiefern und Birken schützen uns vor dem scheußlichen Anblick der Chemo-Fabrik, der Ort ist auch nicht sonderlich spektakulär – deshalb freuen wir uns schon auf die kommenden Inseln. Ach ja – Atze – Danke für das tolle Schiff mit der Superausstattung!

Aus dem sonnigen Norden grüßen JJ, Pretschi und die Körnis

2 Kommentare

  1. J ist nun mal Computerfachmann und kein Navigator. Damit ist die Existenzberechtigung der klassischen Navigatoren, wie den beiden Körnis, nun wohl geklärt! Danke J !!!
    Ich will zugeben, dass ich mich sehr erleichtert fühle, da Ihr das Gasmangelproblem wohl bestens im Griff habt. Vielleicht wäre es günstiger die Spagetti zu einem blonden Zopf zu flechten?! Ich fühle mich schon etwas schuldig … und die Nordländer sind auch nicht besser! Ute hat schon mit „FOGAS“ Kontakt aufgenommen, deren Internetseite aussagt, dass sie 907er Campingazflaschen führen. Allerdings in Stockholm :-(. Wenn wir eine Antwort erhalten, ob es auch nördlicher von Stockholm eine Tauschstation gibt, dann seit Ihr die Ersten, die es erfahren.
    Ansonsten müsst Ihr den Ausgleich mit gutem Wetter und vielen „Jungfrauen“ schaffen – und mit wohlgemixten Anlegern! Bastu! Bastu! Bastu!
    Liebe Grüße vom Organisationskomitee! Weiter so! Atze

  2. … da ihr ja jeden Sonnenaufgang mitnehmt, wie es scheint, werdet ihr euer Kochproblem nicht so schnell lösen. Schlaft doch länger und geht etwas zeitiger ins Bett. So könnt ihr pro Tag zwei Mahlzeiten sparen. Und Mittags gibt es kalte Küche…
    Aber ich habe dennoch vollstes Vertrauen, dass ihr noch auf schwedische Gasfelder stoßen werdet und bis dahin euch zu helfen wisst.
    Bei mir hier vor Elba ist das Problem eher umgekehrt. Der Kühlschrank kommt gar nicht nach das Bier zu kühlen. Und zum Kochen stellen wir nur die Töpfe eine halbe Stunde auf Deck …
    Tja, so ist eben manchmal. Ungerechte Welt.
    Weiter viel Spaß. Ich kann jetzt wieder mit lesen. Ich hoffe Jens hat auch Fotos von den Robben gemacht.
    Pflegt die beiden Mädels ein bisschen. Handbreit.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

acht + 6 =