Die Entdeckung von Buccoo

Die rechte Palme ist meineSchlafzimmerBuccoo und die Bay
Der Reisefuehrer warnt vor dem Besuch von Buccoo und ein riesiges Schild des Tourismus-Bueros von Trinidad und Tobago warnt vor Ganoven am Strand: Enter at your own risk, never go alone.
Um 12 bin ich mit Candy an der Huette verabredet: Ueber eine Holztreppe gehts es hoch in eine Holzbude, PVC Belag, eine purpurrote Sofagarnitur steht gleich hinter der Haustuer. Dann ein Esstisch mit Plastiktischdecke und einem Riesenfernseher drauf, gegenueber ein Riesenkuehkschrank, dann die Kueckentheke und an der Hinterwand wieder eine Tuer wie im Stall – mit zwei Klappen. Schon beim Oeffnen der oberen stockt mir der Atem: Von einem Huegelchen blicke ich hinunter in die Bucht von Buccoo. Rechts, im Westen, zerstaeuben Brecher an den Korallenriffen. Da muss es irgendwo eine Einfahrt durch die riffe geben, denn unten, da wo die Wiese, mein Huegel, mein Garten aufhoert, da liegen Boote. Es gibt auch eine grobe Betonpier zum Verladen. Die Bucht ist riesig. Will man sie erlaufen, so muss man frueh aufstehen und kommt erst abends mit dem Taxi von Crown-Point zurueck. Der schmale Sanstreifen ist nur bei Ebbe passierbar – Mangroven saeumen das Ufer, dahinter sind die Wetlands von Buccoo.
Candy sagt, sie will noch saubermachen. Sehr gut, die Bude ist in einem karibischen Zustand. Es ist ein zehn Meter langes und fuenf Meter breites Wochenendhaus auf Betonstelzen. Eine Datsche, ein Ferienhaus, ein Wohnhaus war es frueher einmal, vor 40 Jahren. Rundherum pustet der warme Passatwind in die goldgelben, kniehohen Halme auf dem Huegelchen und wiegt die ungemaehte sonnenverbrannte Wiese mal von rechts, mal von links, sehr beruhigend.
Im Haus gibts noch mehr zu entdecken: Ein Schlafraum, 2x4Meter mit viereinhalb Betten drin, dahinter gehts eine Treppe runter, drei Betonstufen, dann Betonboden, rechts eine Dusche, links ein Klo. Und noch eine Tuer, hinter der sich ein Meerblick verbirgt. Zurueck in der guten Stube gibt es links noch einen Vorhang und eine Tuer: Mein Schlafzimmer fuer die kommende Woche. Ein Schrank, ein Spiegel, ein Bett (mit Plastikunterbezug, was ich sehr gut finde!), zwei Fenster, eins nach Norden, eins nach Osten hin.
Schnell habe ich meinen Nachbarn kennengelernt. Isaw heisst er und er bringt mir das limen bei: Er sitzt bei mir, ich frage ihn etwas und er antwortet. Isaw fragt selten. Er ist 59, ich habe ihn auf 70 geschaetzt aber 54 gesagt worueber er sich sehr gefreut hat. Ja, er weiss, dass er jung aussieht. Ein paar Mal war er im Knast sagt er. Vier Jahre lang sagt er, aber ich glaube ihm das nicht. Isaw ist in Buccoo geboren und wird auch hier sterben, irgendwann, wenn die Zeit fuers limen abgelaufen ist. Waehrend des limen inspiziert Isaw meinen Kuehlschrank – be my guest – frisst und trinkt meine Vorraete weg und schweigt zufrieden. Mache ich dann auch, aber tatsaechlich bin ich fuers limen noch zu quirrlig…

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