A Coruña – wir geben einen Löffel ab

A Coruña ist eine sehr schöne lebhafte Stadt. Die Altstadt ist durchzogen von schmalen Straßen und Gassen. Auffällig und dominierend sind die überall verglasten Fassaden. Kleinteilige Fensterfronten sind mit weniger als einem Meter Abstand vor die Fassaden gehängt und prägen so das Stadtbild sowohl in der historischen Altstadt als auch bei den vielen Neubauten. Die Stadt sieht aus wie verglast. Die Altstadt ist laut und touristisch, aber auch Einheimische sitzen in den Kneipen. Der Lärmpegel ist deutlich höher als in den beschaulichen Städten der Bretagne. Das Wahrzeichen der Stadt, der Torre de Hẻrkules, hat uns schon viele Meilen vor der Einfahrt in die Bucht begrüßt. Er ist der älteste noch in Betrieb befindliche Leuchtturm der Welt. Natürlich von den Römern erbaut, im 1. Jahrhundert n.Chr. Selbstverständlich besichtigen wir das Bauwerk und sind schwer beeindruckt, auch wenn er nicht mehr im Originalzustand erhalten ist und Ende des 18. Jh. restauriert und umgebaut wurde. Abends gehen wir essen und lassen uns natürlich die Nationalspeise „ Pulpo“ nicht entgehen. Der Wein schmeckt dazu perfekt und vollgefressen und satt schleppen wir uns in die Marina. Die wir am nächsten Morgen verlassen wollen.

Am Nachmittag haben wir schon unsere Zeche im Hafenbüro bezahlt. Dabei stand neben mir ein junger Mann, der hektisch in spanischen und englischen Wortfetzen aufgeregt telefonierte. Es stellte sich heraus, dass er einer der 3 deutschen Teilnehmer der „Minitransat Regatta“ ist und seine Energieversorgung kurz nach dem Start in Douarnenez ausgefallen ist. Er saß also schon 48 Stunden am Ruder seines Racers und musste ihn nun so schnell wie möglich wieder reparieren, ansonsten droht Disqualifikation und die Arbeit der letzten 2 Jahre wäre umsonst. Arme Sau. Was konnten wir helfen? Nachdem wir weinselig aus der Kneipe kamen, haben wir den armen Tropf nochmal besucht, um zu sehen, ob er zu trösten sei. Doch er hatte inzwischen im Hafen einen engagierten Schrauber gefunden, der mit ihm zum Baumarkt gefahren ist, um einen neuen Generator zu kaufen. Außerdem hat er sich das defekte Gerät angesehen und repariert, so dass Dominik Lenk weiter segeln konnte. Das Reglement schreibt vor, dass technische Zwischenstopps mindestens 12 Stunden dauern müssen und er erst nach 12 Stunden – also in den Morgenstunden – weiter fahren darf. Utes Mutterinstinkt brach gleich durch und sie wollte ihn mit „harter Wurst, Käsen, Brot und Getränken“ versorgen. Doch sein einziger Wunsch war ein Löffel, da er seinen abgebrochen hatte … Das muss man sich mal vorstellen! Vollstress, Megadruck! … und er will einen Löffel. So gehen wir nun als „Löffelsponsor“ in die Annalen der „Minitransat 2015“ ein. Allerdings hat er nun neben dem neuen 24 kg schweren Generator auch noch einen schweren Edelstahllöffel dabei. Wir hoffen, dass wirkt sich nicht weiter negativ auf seine Geschwindigkeit aus! Nachdem nun Ines und Michel schon 4 Gabeln mit nach Schottland gebracht haben, um die Versorgung der Familie zu gewährleisten, hier nun die Bitte einen Suppenlöffel mit in die Karibik zu bringen. Sonst gibt’s nüscht zu löffeln!!!

Wie angekündigt sind wir auf dem Weg nach Süden und haben gestern das Kap Finisterre gerundet bei strahlemden Sonnenschein und ordentlich Wind, Freikerl lief über 8 Knoten, sind wir auf das Kap zu gedonnert. Aber damit wir genug Zeit haben um diesen Moment zu genießen, wurde der Wind genau an dieser Stelle abgeschaltet. Wir haben es zwar noch nicht geschafft „Hoorniers“ zu werden, aber ab jetzt sind wir „Finisterrer“! Auch nicht schlecht!IMG_4277 IMG_4279 IMG_4290 IMG_4298 DSC_0040

2 Kommentare

  1. Ein wunderschönes Foto vom stolzen Freikerl in AIS. Haben uns gleich ne neue MarineTrafficApp gegönnt. So können wir Tun besser verfolgen und kontrollieren.
    Glückwunsch zur Biskayaquerung, macht ja alles einen entspannten Eindruck.
    Vater geht’s gut im neuen Heim, sogar besser.
    Bitte fleißig schreiben und bebildern. Wir sind jeden Tag gespannt auf neue Nachrichten.
    Take care, und
    Handbreiten

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