Auf nach Santiago de Leuna!

Wir lungern noch einige Tage in der ungeschützten Marina von Cienfuegos rum und finden Internet im Hotel Jagua, welches so rasend schnell ist, dass ich es kaum fassen kann. Am Sonntag treffen wir uns mit unserer kubanischen Freundin Ada. Leider ist sie dienstlich in Cienfuegos und so können wir nur 1-2 Stunden im Hotel klönen. Der Besuch Obamas schürt große Ängste und Hoffnungen. Vieles kommt uns sehr bekannt vor und erinnert an die Zeit der Wende und der folgenden Veränderungen. Hoffen und Bangen liegen dicht beieinander.IMG_1854 IMG_1847 IMG_1851

Die Wettervorhersage sagt 25 Knoten aus Nordost voraus. Ideal um über Nacht in die „Gärten der Königin“ zu fahren. Doch es sollte eine unruhige Nacht werden. Es sind 10 Knoten mehr und wir müssen hoch am Wind fahren. Erschöpft fallen wir bei herrlichem Sonnenschein in einer einsamen Bucht in die Kojen. Wir beschließen zügig nach Santiago de Cuba weiter zu segeln und fahren in der folgenden Nacht nach Cabo Cruz, dem südwestlichstem Kap von Cuba.

Unterwegs, bei kitschig untergehender Sonne, sehen wir einen Schwarm Bonitos, der jagend auf uns zu schwimmt. Ich musste mich nur an die ausgebrachte Angel setzen und warten. Ein wunderbarer Gelbflossenbonito beißt herzhaft zu und eine Stunde später hat meine „Desnudo-Capitana-Trüffelsau-Kombüse“ köstlichstes Carpaccio und Filets gezaubert. Das absurde Verbot, der kubanischen Regierung, ihrer Bevölkerung das Angeln zu verbieten, scheint  zu stabilen Beständen zu führen. Jedenfalls sind wir sehr erfolgreich beim Fischen in diesen Gewässern.IMG_1915 IMG_1905 IMG_1910

In der Bucht von Cabo Cruz treffen wir unsere amerikanischen Freunde Julia und Michel wieder, die mit ihren drei halbwüchsigen Kindern für ein Jahr unterwegs sind. Sie haben ihr Haus verkauft und sind auf dem Rückweg nach Nordamerika. Wir bewundern ihren Mut, in unserem Alter, für einige Zeit alle Zelt abzubrechen und im Herbst wieder bei „Null“ zu beginnen. Zumal sie Hausfrau ist und er eine „IchAG“ als Bauunternehmer betreibt. Wir verbringen einen lustigen Abend bei uns an Bord. Ich glaube ich muss mich mehr mit Ute unterhalten. Sie machte jedenfalls den Eindruck, als müsse sie für die nächsten Wochen schon mal „vorsprechen“ ….

Gemeinsam brechen wir am nächsten Morgen gen Santiago auf. Wenig Wind beschert uns eine 20 –stündige Fahrt unter Motor. Nur in den Morgenstunden weht eine kräftige unstete Briese mit Winden aus den 2000 Meter hohen Bergen der Sierra Maestra, die mit bis zu 8 Bft. einfallen. Bei untergehender Sonne steigt Ute in die Vorratskiste um einige Konserven hervorzukramen. Die Natur scheint das Büchsenöffnen verhindern zu wollen und schickt uns einen 60 cm langen Barrakuda an die Angel. Es gibt „Krautsalat an Barrakuda Filets auf hausgemachtem Schwarzbrot“. Was will der Segler mehr?!IMG_1931 IMG_1933

Gegen 10 Uhr versuchen wir auf Kanal 16 den Hafen zu erreichen. Wie zu erwarten werden wir ignoriert. Später bekommen wir den Hafenmeister auf Kanal 72. Er schickt uns zum Ankerplatz und meint wir sollen auf Kanal 16 Stand-by bleiben und warten. Die Wartezeit vertreiben wir uns mit einem Mittagsschläfchen, denn in der Nacht gab`s keinen Schlaf. Am Nachmittag gehen wir dann doch von Bord um beim Hafenmeister und den Einreisebehörden „nach dem Rechten“ zu sehen. Der „Einreisemann“ ist erschrocken, dass da seit geraumer Zeit unregistrierte Ausländer im Hafen sind. Er ist aber dankbar, dass wir gekommen sind, denn er meint, dass wir morgen alle ins „Jail“ gekommen wären – er auch. Entschuldigend meint er, dass vor uns ein amerikanisches Boot eingereist sei und dass hat ihn durcheinander gebracht. Julia und Michel sind mit der „Sasquatch“ 2 Stunden vor uns in Santiago gewesen. Da war der Beamte schlichtweg überfordert. Aber die Cubaner sind freundlich und gelassen. Er freut sich, dass er uns als erster in Santiago de Cuba begrüßen darf. Er muss ja nun auch nicht in den Knast….

In der Bucht riecht es wie in Buna/Leuna. Die nahe Raffinerie sendet starke Geruchsnoten in die Umwelt. Heute, am Sonntag, schallt es lautstark aus jeder Ecke der Bucht. Die Boxen werden ohne Rücksicht auf Qualität der Musik und des Klanges aufgedreht. Auch sollte der Lärm möglichst konträr zur Musik des Nachbarn sein. Unser Spanisch-Wörterbuch kennt das Wort „Ruhestörung“ jedenfalls nicht. In den nächsten Tagen werden wir die Stadt erkunden. Mit dem Buch „Herr der Hörner“ von Matthias Politycki im Gepäck sind wir bestens auf Santiago vorbereitet. Für alle Cuba Freunde ist dieses Buch ein absolutes „must have“ bzw. „must read“!IMG_1934 IMG_1937 IMG_1991 IMG_1994

2 Kommentare

  1. Holla Amigos,
    klingt so, als hättet ihr euch ein bißchen in die Kubaner verliebt, seufz. Aber so richtig glücklich machen mich die Meldungen mit der Frischfischversorgung! Ihr habt ja nun den ganzen Winter segelnd verbracht, hier war bis jetzt Pause, Auslagern war heute: Regenschauer, menschenleer, trübe Gesichter im Heimatrevier – Au Backe – was für eine andere Welt. Was erzählt man sich da für Geschichten? Was ist nah? Was ist fern?
    Handbreit!
    holger

  2. Handbreit ebenso von den drei J´s! Tolle Bilder und tolle Geschichten – versprochen hier verpasst ihr nix. Genießt die Aufbruchsstimmung auf Kuba und vor allem die offenen Herzen! Die Leute haben wenig und davon viel – aber sie sind herzlich und auf ihre Art zufrieden. Wir warten auf euren nächsten Bericht – Grüße aus Leipzig!

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