Der Nordpolarkreis ruft

Seydisfjördur – Husavik

 

Wie schon zu erahnen war, hielt der Ankunftsort Seydisfjordur nicht viel mehr Verlockungen als für kurzes Verschnaufen, ein paar kleine Gänge zu den umliegenden Wasserfällen, Fütterung des Tagebuches und Einholen aktueller Wetterinformationen bereit. Letzteres führte dazu, dass wir kurzentschlossen das Boot für die Weiterreise nach Norden klarmachten und so legten wir am Dienstagabend statt Mittwochmittag ab mit dem Plan, entweder nach Raufarhöfn (70sm) oder – in Abhängigkeit von Tagesform und Wind und Wetterprognose – besser gleich weiter nach Husavik, der prominentesten Wale-Whatch-Basis Europas, an der Nordküste zu segeln. Die Belgier sahen das offenbar ebenso und legten kurz nach uns ab. Das Runden des berüchtigten Nordostkaps Langanes sorgte im Vorfeld für etwas Spannung. Denn, kommt man zur falschen Zeit und/oder mit dem falschen Wind, können dort extrem chaotische Wellenentwicklungen entstehen. Aber wie schon bei Kap Lindesness im Skagerrak waren die Wetter- und Vorbereitungsgötter mit uns, alles lief entspannt, die Kabbelei war sehr moderat. Wir hatten uns sicherheitshalber auch weit genug freigehalten.

Der Nordpolarkreis ruft

Ausfahrt aus Seydisfjördur

 

Erstmals versuchte ich die Zeit der ruhigen Fahrt mit wenig Schaukelei auf langen Wellen nicht nur mit dem verzweifelten Suchen von Walen und Delfinen zu verbringen. Ich setzte mich an den Rechner und versuchte, dem zu erwartenden Blogrückstand entgegen zu arbeiten und die Eindrücke der Überfahrt nach Island fest zu halten. Die dank dicker Finger und kleiner Tasten ohnehin geringe Tastentrefferquote verminderte sich nun doch nochmals erheblich. Aber immerhin waren die gewünschten Buchstaben in der Nähe der getippten.  Und kaum war der Text in Form gebracht (und die Wechstaben zurück verbuchselt) kam der Wind, und noch mehr Wind, und forderte das 1. Reff und das 2. Reff „und grünen Salat“ … Wir rauschten auf dem 66.sten Breitengrad dahin. Unser Kurs pendelte nun westwärts um den Nordpolarkreis. Für die Wale waren wir wahrscheinlich zu schnell, oder die schliefen alle erschöpft nach den harten Tagschichten des Posens und Umherspringens für die Heerscharen von Wale Whatchern.

Ein Uhr nachts kommen wir an, (nach 170 sm in 29 h!) der Hafen schläft, aber ist komplett voll. Alle Stege und Piers sind mit Ausflugs- und Fischerbooten belegt. Die 4 Segler im Hafen (2 Belgier, 1 Waliser, 1 Norweger) liegen auch schon als Zweite. Wir verdrücken uns ins Eckchen ins Päckchen und schleichen uns an die traumhaft restaurierte alte Holzketch aus Norwegen, die bereits an einem Fischkutter liegt.

Der Nordpolarkreis ruft

FreiKerl im Eckchen

 

Es wird hier nicht einmal andeutungsweise dämmerig (Sonnenuntergang 00:20, und was für einer!), und bevor wir in die Kojen verschwinden wundern wir wiedermal, mit einem wohl verdienten Absacker anstoßend, die umliegenden schneebedeckten Berge in der Mitternachtssonne an.

 

 

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1 Kommentar

  1. Ach watt schön so zu lesen, wie es euch geht, und was für Fotos.
    Wir mussten mal raus aus der #g20-Großstadt und waren zwei Tage in Techin am Schaalsee (Breitengrad: 53.55294, Telefonvorwahl: +49 38858), Bauernhäuser und so, reetgedeckt, you know? Nur 300 m zum Steg, das habt ihr bestimmt kürzer. Aber – wie sieht es aus mit drei Hühnereiern zum Frühstück? Das fragt sich doch besorgt und mit herzlichen Grüßen von den anderen beiden hier, Jens

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