Abenteuer Nordatlantik 2017/18

Die Aufregung wächst! Der countdown läuft und ist unter 100, d.h., wir haben noch 3 Monate! Die Vorfreude auf unsere 15 monatige Auszeit wird derweil von kleinen Panikattacken gedämpft. Unsere Umbau- und Reparaturliste, von Atze liebevoll und ausführlich (3 Seiten!) während der Atlantikrunde zusammengestellt und an uns übergeben, will nicht spürbar kürzer werden. Derzeit steht FreiKerl – zum Teil ausgeweidet – auf dem Trockenen, aber in der Kälte, und wartet auf wärmeres Wetter und auf neue Wassertanks, die Abdichtung des Dieseltanks, praktikablere Backskisten im Salon, die Erweiterung der Sprayhood zur Kuchenbude, Rep aratur der Segel, eine elektrische Tagestankpumpe u.v.m. Eine niegelnagelneue Maschine in leuchtendem Blau steht in der Werft zum Einbau bereit. Neue (weichere) Matratzen für die Bugkabine sind in Arbeit, die alten Kajüttüren warten noch auf die Anstriche 5 bis 8, Heizungs- und Elektrikcheck stehen noch aus, usw. Anke will endlich die Punkte der todolist von rot in grün umfärben!

Nebenher beschäftigen uns administrative Dinge wie die richtige Auslandskranken- und Schiffsversicherung, die Vorbereitungen zur Vermietung unserer Wohnung, notwendige Impfungen, diverse Checklisten, Vollmachten, Verfügungen und noch mehr Papier. Zuhause türmen sich inzwischen Ausrüstungsgegenstände wie Lampen, Bootsgeschirr, ein neues Fernglas, wasserdichte Taschen, Revierführer, Seekarten, Tidenatlanten und, vor allem, Fleeceklamotten, Skiunterwäsche und -socken, neue Segelstiefel, Bärenfellmützen, Handschuhe und noch mehr Fleeceklamotten. Offenbar haben wir am meisten Angst vor dem Kältetod. Auf dem ganz oben liegenden Revierführer steht „Arctic Waters“. Jaja, durch Grimsey, den vermutlich nördlichsten Punkt unserer Reise (25 sm nördlich von Island), verläuft der Nordpolarkreis!

Unsere literarische Ausrichtung beschränkt sich unterdessen fast ausschließlich auf Revierführer, den großen Cornellatlas und Strömungsatlanten. 15 Monate haben wir Zeit. Ohne Druck, ohne Termine, außer die, die uns Wetter und Meer anbieten wahrzunehmen. Von Greifswald geht`s nach Südnorwegen, weiter über die Shetlands und die Färöer nach Island. Dort wollen wir den Sommer verbringen, die Insel nördlich runden und Ende August direkt zu den Azoren segeln. Weiter geht’s über Madeira und Porto Santo nach Marokko, dann die marokkanische Küste hoch. Erst dann und dort werden wir entscheiden, ob wir einen Abstecher ins Mittelmeer machen, oder ob wir gleich an die portugiesische Atlantikküste übersetzten und dort den Winter verbringen. Das Wetter wird bestimmen, wann es im Frühjahr die portugiesische Westküste hoch bis Galicien geht, dann entlang der spanischen Nordküste in die Biskaya, immer entlang der französischen Küste in die Bretagne und die Normandie. Im Juli / August nächsten Jahres wird die Schlussetappe über die Niederlande, Helgoland und den Nord-Ostsee-Kanal wieder nach Hause beginnen. Das ist der (grobe) Plan. Vielleicht kommt es aber auch ganz anders, und wir bleiben ein Jahr in Kloster auf Hiddensee, oder in Bergen .

Aber jetzt träumen wir davon, im isländischen Hot Pot (heißer öffentlicher Außenpool) zu sitzen, auf unser Dinghi am Strand und den Freikerl in der einsamen Bucht zu starren, in einem Helicopter über die Färöer zu fliegen, Shetland-Pony zu reiten (nur Anke!), Delphine und Wale zu treffen, über das Licht auf den Azoren und die weiten Sternenächte über dem atlantischen Wellengeglitzer zu staunen, durch die Wüste Marokkos…oder, oder, oder …

Wir können immer nicht ganz glauben, dass wir beiden Landratten in 3 Monate die Leinen loswerfen, für die Reise unseres Lebens, die Erfüllung eines lang gehegten Kindheitstraumes, und nicht zuletzt für unsere Hochzeitsreise.

Anke & Uwe

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