Islands Nordküste

Siglufjördur – Nordurfjödur – Kap Horn – Hesteyrarfjödur

 

Die Nordküste Islands ist dank guter Sicht auf die weißleuchtenden Schneefelder schon von Grimsey aus (ca. 50 km) gut zu sehen. Nächstes Ziel auf dem Weg nach Westen ist Siglufjordur, dem ehemaligen Zentrum der Heringsfischerei. In den 60er Jahren ist der Hering ausgeblieben, so dass diese Sparte der Fischerei, und damit die weiterverarbeitende Industrie, komplett zum Erliegen kam. An die glorreichen Zeiten des Heringsbooms erinnert nun ein großartiges Museum, verteilt auf 3 Gebäude, in den seinerzeit Hering gesalzen, zu Fischmehl oder Heringsöl verarbeitet und exportiert wurde. Für diesen Besuch lohnte sich der Stopp.

 

Islands Nordküste

Alte Heringssalzerei Siglufjördur

 

Die verbleibende Zeit nutzen wir, um uns durch Papierberge von Reiseunterlagen, Seekarten, Hafenhandbüchern und Infomaterial zu fressen, um herauszufiltern, was uns wichtig ist und wie dies mit den nächsten Etappen zu vereinbaren ist. So fahren wir nun auch bald weiter zum ersten Ankerplatz unserer Reise, nach Nordurfjordur, 70 sm entfernt. Nur ein Pärchen Delphine trug zu einem Unterhaltungsprogramm bei, aber das Wetter war uns hold, und wir konnten bis in den kleinen Fjord hinein segeln. Das Dinghi bringt uns an Land, eine kleine Wanderung entlang der Küste, die hier in Island offensichtlich immer und überall schön anzusehen ist, führt uns zum eigentlichen Ziel unseres Aufenthaltes hier: Krossneslaug, ein wunderschön gelegener hot pot am Meer, aus dem man über den Treibholzstrand auf das Nordpolarmeer blickt. Eine Robbe guckt vom Meer aus wie bedauernd zurück zum Pool, Menschen eng beeinander in so heißem Wasser …

Das Treibholz sind Baumstämme aus Sibirien, die in 5 Jahren ihren Weg über Grönland in den Golfstrom an die Küsten Islands finden. Das Sammeln, Sortieren und Handeln dieses begehrten Baumaterials war zig Jahre ein einträglicher Erwerbszweig in Island. Seit in Russland auch zunehmend nach marktwirtschaftlichen Kriterien gearbeitet wird, hat die für die Isländer so erfreuliche und gewinnbringende russische Schluderei derart nachgelassen, dass sich das Geschäft nicht mehr lohnt. Was jetzt noch angespült wird, taugt nur noch als dünne Zaunspföstchen für die Schafweiden.

 

Islands Nordküste

Treibholzlager

 

Anke hatte inzwischen ihre persönliche „hot-pot-hopping-Route“ entlang der Nord- und Westküste abgesteckt, insofern war dieser im Pflichtprogramm, die nächsten sind bereits in den Karten markiert und warten auf uns.

Allerdings ist es ähnlich wie nach Saunaaufenthalten. Nach einer Stunde im 40 Grad heißen Wasser ist man völlig erledigt und ausgelaugt und kann danach nur noch ruhen.

Darüber hinaus ist hier nix los.

 

Die kommende lange Etappe wird uns nach Nordwesten, um das nordöstliche Kap der Westfjorde führen, das Horn. Es macht seinem Namen auch alle Ehre, und es ist wirklich ein Kap, mit extremen Böen, chaotischem Wasser. An diesen exponierten Punkten treffen Windwellen, Strömungen und Gezeitenströme aufeinander, befeuert durch den sich an den Landspitzen und Bergen verwirbelnden und beschleunigenden Winden. Aber wieder, wie schon bei Lindesnes im Skagerrak, Shetlands Nordkap, in den Färöern und auch an Islands Ostkap haben wir Wetterglück, es kabbelt zwar und FreiKerl schüttelt sich ein wenig, aber wir ziehen unter Segel herum und können die fantastische Küste bestaunen. Dieser nördlichste Teil Islands ist reines Naturschutzgebiet, hier führen keine Straßen mehr hin, man kann es nur zu Fuß, zu Pferd oder von See aus erreichen. Die ursprüngliche Idee, in einem der Fjorde an der Nordküste des Hornstrandir zu ankern verwerfen wir, da wir grad so gut unterwegs sind und segeln weiter gen Westen, hängen noch weitere 40 sm ran und werden gleich das nächste Kap, Straumnes, an der Nordwestecke runden. Bis auf ein paar Delfine finden wir wieder keine Begleitung durch größeres Meeresgetier, aber die atemberaubende Felsküste ist uns Unterhaltung und Abwechslung genug. Die Windstärke schwankt hier stark, aber wir haben es nicht eilig, laufen zuweilen über 7 und dann wieder längere Zeit nur 2 -3 kn, und haben somit aber mehr Zeit die Ausblicke zu genießen. Das Abendlicht ist unglaublich und zaubert ständig wechselnde Farben und Kontraste hervor, die atemberaubend sind. Schade, dass diese Schauspiele, außer in den Erinnerungen, nicht festzuhalten und zu vermitteln sind.

 

Islands Nordküste

Kap Horn und Bucht Hornvik

 

Gegen Mitternacht haben wir den Kopf des Hesteyrarfjordur, den ersten der 4 unbeschreiblich schönen, fingerartigen Südfjorde des einsamen Naturschutzgebietes Hornstrandir erreicht, werfen Anker, gönnen uns den Ankerschluck und starren noch ein Stündchen auf die wundervollen Bergkulissen um uns herum, bevor wir höchst zufrieden in die Federn kriechen.

 

Siglufjördur

 

Nodurfjördur

 

Horn

 

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