Santiago

Santiago ist anders! Cienfuegos gibt sich im Vergleich zu Santiago als eine wohlhabende Weltstadt. In Santiago werden einzelne Straßenzüge a la Potemkin saniert. Ansonsten ist die Stadt bewohnter Verfall. Wenn das das Ergebnis eines nahezu 60-jährigen Kampfes zur Verbesserung der Lebensbedingungen der arbeitenden Bevölkerung ist, dann kann man den Verantwortlichen nur komplettes Versagen bescheinigen.IMG_2019 IMG_2010 IMG_2008 IMG_2003 IMG_1980

Dennoch sind die Menschen auch hier freundlich, gut gelaunt, hilfsbereit und sehr kontaktfreudig. Wir unternehmen am ersten Tag eine Bicitaxi-Fahrt. Der charmante Taxilenker überredet uns zu einer Stadtrundfahrt. Da wir wieder einmal auf literarischen Spuren wandeln, lassen wir uns zum Friedhof fahren. Dieser spielt im „Herr der Hörner“ eine wichtige Rolle. Wir entdecken die Knochenkisten und verbogenen Stahlkreuze. (Wer jetzt nix versteht – lesen!) Vor dem Grab der Bacardi-Familia gedenke ich ihrer in großer Dankbarkeit, auch wenn der Cuba-Rum besser schmeckt…IMG_1958 IMG_1959 IMG_1960 IMG_1964 IMG_1966 Natürlich werden wir zum Platz der Revolution kutschiert, auf dem unlängst der Papst die Messe zelebriert hat. Unser Fahrer zeigt uns stolz die „Industrie –und Produktionsanlagen“, lädt uns zum Zuckerrohrdrink ein und hält kurz an der Nudelfabrik (ein Joint-Venture mit Barilla), in der seine Frau arbeitet. Sie bringt ihm eine Flasche Leitungswasser. Beide fragen uns, was wir haben wollen, wenn wir sie mitnehmen … Er erzählt uns, dass er nach Feierabend noch an seiner Zisterne arbeiten muss, da es in Santiago keine Wasserleitungen gibt, sondern alle Häuser Wasservorratsbehälter haben und das Wasser nur selten fließt um diese Behälter zu füllen. Er benötigt also einen 2. Behälter. (siehe Buch)IMG_1945 IMG_1947

In den darauf folgenden Tagen durchstreifen wir die Stadt, steigen auf den Tivoli und stehen vor dem Haus in der Calle Rabi Nr. 107 ½. Dort hat Broder Broschkus in Santiago gelebt. (siehe Buch) Als wir von einem „Schlepper“ zum Kauf einer Flasche Rum in einer Genossenschaft überredet werden, finden wir die im Buch wichtigen Kriegerschalen, die samt Stock im Eingang der Wohnung stehen. Die „Santeria“ lebt in Santiago! Auch die „unberührbaren“ bunten Ketten werden offen getragen. (siehe Buch)IMG_2012 IMG_2011 IMG_2014 IMG_1992 IMG_1988

Überall werden Taxis, Zigarren, Rum und Mädchen angeboten. Wir erwidern, dass wir all das nicht benötigen würden, aber ein altes Auto kaufen würden. Damit ist die Kommunikation nicht so einseitig und wir bekunden unseren Willen Geschäfte machen zu wollen. Die Autos sind alle unverkäuflich.

In der Marina liegen etwa 10 Boote, man kennt sich mittlerweile und einigen Seglern ist man schon vorher begegnet. Michel und Julia von der „Sasquatch“ laden zu einem gemeinsamen Abend auf der Terrasse der Marina. Alle bringen etwas mit und klönen. Amerikaner, Deutsche, Kanadier, Holländer und Franzosen sitzen bis tief in die Nacht und lenzen sich gegenseitig die Bier –und Rumvorräte leer. Leider gehen alle bald wieder auseinander und hoffen auf ein Wiedersehen. Wer weiß …IMG_2021 IMG_2023

Bevor wir fahren ordern wir beim örtlichen „IchkannDirallesbesorgen – Mafia Boss“ einige Flaschen Rum und Zigarren. Er lädt uns in seine Hütte ein. Pedro lebt dort mit seinen 3 erwachsenen Kindern, einer minderjährigen Nichte mit Kind und seiner Frau. Seit 4 Wochen konnten sie ihre Zistern nicht befüllen und nachdem endlich wieder Wasser da war konnte das kleine Kind in sauberem, nicht stinkendem Wasser gewaschen werden. Ich „vergauble“ einige CUC`s, eine Flex und ein altes IPhone gegen einige Cohibas und ein paar Flaschen Rum. Wir bauen uns unseren Übersee – Rum selbst. Nach dem Kontakt mit den einheimischen „Durchschnitts-Kubanern“  wird uns immer wieder bewusst wie gut es uns Deutschen geht. Wer rummeckert, soll doch mal ein paar tausend Kilometer westwärts, ostwärts oder südwärts fahren ….

Nachdem in Cabo Cruz unser Boot von einem alten, ängstlichen „Drogensuch-Spaniel“ durchschnüffelt wurde, will nun bei unserer Ausreise niemand mehr etwas von uns sehen. Wir werden von den Behörden mit der Einladung zum Wiederkommen freundlich verabschiedet. An Bord kommen mag niemand, denn die Grenzer haben hier kein Boot – in Cabo Cruz kam die Staatsmacht wenigstens noch mit einem wackligen Ruderboot zu uns, um unseren Außenborder zu registrieren…IMG_2026 IMG_2009 IMG_2002 IMG_2001 IMG_1999 IMG_1998 IMG_2006 IMG_2004 IMG_1997 IMG_1995 IMG_1986 IMG_1981

Cuba war nun unsere letzte karibische Station. Wir verlassen Santiago um auf die Bahamas zu segeln. Darüber will ich nicht gern berichten. Nur kurz: 35 sm östlich von Santiago wird „Sailingvessel Freikerl! This ist US Coast Guard!“ gerufen. Ich denke: Ups, verfahren? Doch wir nähern uns der „Restricted Zone“ Guantanamo und sind nur eine halbe Meile von der Banngrenze entfernt. Wir werden gebeten unseren Kurs etwas weiter südlich abzusetzen – „in unserem eigenen Interesse…“ Wir tun, wie uns geheißen und werden dann auch mit einem freundlichen „Dank für die kooperative Zusammenarbeit“ von einem mit Blaulicht und Kanonen bestückten Observationsboot begleitet. Ansonsten – 170 Seemeilen, 38 Stunden gegen an, davon 4 Stunden unter Segeln, Rest unter Motor, kein Fisch, furchtbare, kurze Stampfwelle, erster richtiger Streit zwischen Kombüse und Skipper nach 10 Monaten. Mittlerweile haben wir uns wieder versöhnt und haben auf Great Inagua in Matthew Town auf den Bahamas einklariert. Also alles Bestens!

1 Kommentar

  1. Hallo Ihr 2! Auch wir haben in Havanna das etwas andere Kuba kennen gelernt. Wie schrieb schon Jens “ Die haben nichts und davon viel“ ….Respekt liebe Kubaner , Syrer und ……! Wir sollten wirklich mehr Demut besitzen und ein bisschen vom Thron der Besserwisser steigen. Ich hoffe das Gewitter zwischen Steuerstand und Kombüse ist nachhaltig aufgeklart und Ihr seid bereit Euchauf den Weg zurück über den Atlantik zu wagen. Ich wünsche guten Wind „nicht ganz von vorn“ und Petri heil! LG

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