Endspurt

Jetzt gilt`s! Wir wollen nach Hause! Die Passage Dover/Calais ist viel befahren und wir sind sehr aufmerksam.  Über Dunkerque geht`s nach Zeebrügge. Bisher kannten wir Belgien nur vom Autotransit nach Frankreich und hatten keine Meinung. Was wir bis dahin gesehen hatten war grau und wenig einladend. Das sollte sich nun ändern! Die flache Nordseeküste wird auf einer Länge von über 60 km von nahezu ununterbrochenen Neubaufronten gesäumt. Davor ein schöner Strand. Wir haben den Eindruck, dass in Belgien alle Architekten Berufsverbot haben. Es ist unglaublich!! Kein Hügel, kein Baum, einheitliche Traufhöhe, Glas, Beton, davor uniforme Strandhäuschen, die die Badeutensilien beherbergen. Ein Prora auf 60 km Länge! Bauten aus den 70er/80er Jahren mit den damals gut situierten Erwerbern, die heute einen Altersdurchschnitt von weit über 80 Jahre an den Strand wuchten. Bindet die Erbauer dieses Verbrechens mit geöffneten Augen vor Ihren Machwerken an!!! Doch wir wollen uns ein anderes Bild machen und verbringen einige Stunden in Brügge. Diese mittelalterliche Stadt ist wunderschön. Allerdings bin ich ab jetzt für Touristenquoten! Die Stadt war so voll und sooo auf Tourismus ausgerichtet, dass man das Gefühl hatte an einem Filmset vor den Kulissen zu stehen. Alles etwas unwirklich. Doch wir finden eine Bierverkostungskneipe, wo man 100 verschiedene Biersorten kosten konnte. Bier könn`se! Im Zeebrügger  Hafen finden wir eine Kneipe und verkosten die Meeresgetiere. Kochen könn`se auch.IMG_6601 IMG_2938 IMG_2978 IMG_2940 IMG_2970 IMG_2956 IMG_2960 IMG_2965 IMG_2950 IMG_2943 IMG_2937 IMG_6610 IMG_6594

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Kochen können wir auch …

Von Zeebrügge geht’s dann in knapp 3 Tagen nach Cuxhaven. Die Nachtfahrten vor Antwerpen, Rotterdam und Amsterdam sind anstrengend. Irre viel Schiffsverkehr, Windparks, Gasplattformen, schlecht beleuchtete Segler und … genau: “meine Freunde, die Fischer!“ Die Einfahrt in die Elbmündung nach Cuxhaven ist um Mitternacht nochmal aufregend. Strömung der Elbe und Strom der Gezeit bieten nochmal eine besondere Herausforderung. Aber früh um 4:30 liegen wir am Notfallsteg der Marina und fallen in einen steinernen Schlaf. In den letzten drei Tagen hatte ich es insgesamt auf 7 Std. Schlaf gebracht.

Die Fahrt im Taxi zum nächsten Baumarkt, um unsere Gasflasche zu tauschen, brachte uns wieder nach Deutschland zurück. Verkehrsnachrichten: „ Zwischen Ganderkese und …. 7 km Stau, zw. …“! Ich erkläre dem Taxifahrer, dass wir seit 13 Monaten erstmals wieder Verkehrsnachrichten hören und dass sich nichts geändert hat. Er mein: „ nö, nur schlimmer…!“ Willkommen in D.!

Wir warten das Kentern der Gezeit ab und der damit zusammenhängenden Umkehr der Strömungsrichtung und fahren zum Nord-Ostsee-Kanal. Ohne lange warten zu müssen werden wir mit der Großschifffahrt und einigen anderen Freizeitkapitänen geschleust. Da nur zu bestimmten Zeiten der Kanal befahren werden darf, suchen wir uns in einer kleinen Seitenbucht einen beschaulichen Übernachtungsplatz. Sehr idyllisch und ruhig liegen wir zwischen den Dalben. Die knapp 100 km Kanalfahrt sind ganz nett, aber den ganzen Tag Motoren nervt mächtig und wir sind froh am Abend in Kiel im Hafen zu liegen. Freikerl wird wieder von Ostseewasser umspült.DSC_0005 (2) DSC_0006 (2) DSC_0013 (2) DSC_0034 (2) DSC_0043 (2) DSC_0070 (2) DSC_0081 (2)

Eigentlich wollten wir noch ein paar Tage in Dänemark rumankern, aber kurz nach Verlassen der Kieler Förde hat Rasmus noch eine kleine Zwischenprüfung für uns vorbereitet und den Auspuffkrümmer perforiert, so dass Wasser und Abgase unseren Motorraum schön schwarz ausgespritzt haben. Also geht’s weiter nach Heiligenhafen, der nächstgelegene Hafen und zwar ausschließlich unter Segeln. Der wind schläft komplett ein, so dass wir nachts mit 0,1 Knoten in verschiedene Richtungen treiben. Ich kann das Rohr provisorisch mit Gummiplatten und Schlauchschellen so abdichten, dass die meiste Brühe wirklich hinten aus dem Auspuff kommt und unser Motorraum nicht komplett geflutet wird. Mitten in der Nacht fahren wir – dann doch noch unter Segeln – in die Marina von Heiligenhafen. Auf den letzten 100 m läuft die Maschine noch mal und schiebt uns an den Liegeplatz. Es ist Samstag und niemand ist erreichbar. Holger, der mir zum Geburtstag gratuliert,  schickt uns eine Telefonnummer eines Schweißers in Neustadt.IMG_6622 IMG_6624 IMG_6646

Montagmorgen geht’s mit dem Bus nach Oldenburg, dort konnten wir ein Auto mieten und weiter nach Neustadt fahren. Zum Glück konnten wir den guten Mann überreden das Teil  zu schweißen, obwohl er uns wenig Hoffnung macht, dass es gelingt. Aber es gelingt! Der Mann hat goldene Hände! Zwischenzeitlich besorgen wir noch einen neuen Abgasschlauch und gegen Mittag sind wir wieder in Heiligenhafen mit allen notwendigen Ersatzteilen. Eingebaut ist`s schnell und es funktioniert! Der 3- tägige Boxenstopp hat uns unsere „Ankertage“ in Dänemark gekostet. Dann geht’s eben am Abend im Overnighttörn die 98 sm durch die viel befahrene Kadettrinne nach Rügen. Mittags machen wir in Lohme fest und gehen erstmal ins Bett. Lohme ist ganz schön „erblüht“! Jedenfalls ist es wesentlich voller und scheinbar nicht mehr von der Umwelt abgeschnitten. Trotzdem gibt’s keinen internetfähigen Funkkanal. Der Wetterbericht sagt 15 -27 Ktn. aus SW voraus. Genau richtig für einen gemütlichen Schlag ins 12 sm entfernte Saßnitz. Laut Wetterbericht soll`s ab 13 Uhr regnen. Um 10:00 verlassen wir den Hafen. Nach wenigen Minuten „schpladadderts“! 30- 37 Ktn. aus SO. Dazu Dauerregen. Freikerl nimmt`s gelassen. Nur ich sitze immer noch mit kurzen Hosen an der Pinne. Keine Zeit um die Plünnen zu wechseln. Gerade die Regenjacke konnte ich noch überwerfen, dann sitze ich 2 ½ Std. im Regen und dusche in der überkommenden Gischt. Zum Glück ist es einigermaßen warm und ich kann`s sportlich nehmen. In Saßnitz gehen wir bei starkem Seitenwind an die Mole. Mittlerweile sind die Schwimmstege in Betrieb und auch ansonsten ist es wesentlich touristischer als früher. Die Urlaubssaison ist auch hier zu spüren, zumal wirklich kein Strandwetter ist. An der Mole gibt es mittlerweile keinen Service mehr. Also keinen Strom, kein Wasser, kein Klo und keine Müllentsorgung. Aber der Zettel an der Stromsäule heißt uns trotzdem willkommen und bittet uns die Liegegebühr im „Seglerservice“ auf der anderen Seite des Hafenbeckens zu entrichten. Wir weigern uns und warten auf den Hafenmeister, der früher spätesten um halb acht  früh mit seinem Schlüsselbund ans Boot wummerte. Soll er nur kommen ….  Wir sind „fast“ wieder zu Hause….IMG_6615 IMG_6628

Küstenlümmel

Küstenlümmel

1 Kommentar

  1. Liebe Utze, nun habt ihr es fast wieder geschafft – ein Eintrag kommt doch wohl noch :-) Lieber Atze, alles Gute nachträglich, ich konnte dich via whatsapp nicht erreichen – dein Telefon oder besser die Nummer war wohl noch auf Übersee eingestellt. Trotzdem schön von euch zu hören und siehste: die Überraschungen und Improvisationen lauern auch in der besten Marktwirtschaft! Sodann ein Prost und Handbreit auf die letzten Meter (sind ja eigentlich schon durch) > aber der post fehlt noch. J&J&J

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